Medikamentensammelstelle

Wir sind auch der Ansicht, dass wir eine Medikamentensammelstelle im Bürgerbüro einrichten sollten.

 

 

Kommentar:

Entsorgung von Medikamenten:
Fischer und Klärwarte wissen es schon lange: der Obere Neckar ist in Teilen eine Arzneimittellösung.
Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) bestätigt...“Nur 15 Prozent der VerbraucherInnen entsorgen ihre Medikamente immer richtig."1 Die allermeisten werfen sie - statt wie im Kreis RW vorgesehen in die Restmülltonne - in die Toilette. Seit 2009 sind Apotheken nicht mehr verpflichtet, abgelaufene Arzneimittel zurückzunehmen.
Nun wäre die Belastung der Umwelt auch dann schon enorm, wenn alle übriggebliebenen Arzneien korrekt in der grauen Tonne landeten, denn viele Medikamente, die ihre Wirkstoffe ganz gezielt erst im Darm entfalten sollen, sind so geschützt, dass ihre äußere Hülle auch die zersetzenden Stoffe der Magensäure abhält. Ein großer Teil der Inhaltsstoffe verbleibt daher gar nicht im Körper, sondern wird direkt wieder ausgeschieden. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Hormonreste der „Antibaby-Pille“ im Verdacht stehen zur Verweiblichung von Fischen geführt zu haben. Oder das schmerzstillende Mittel Diclofenac, das zu Nierenschäden bei Forellen führt. Sogar Verhaltensänderungen durch Psychopharmaka sind bereits beobachtet worden.
Immerhin 80 Prozent der Einträge im Abwasser kommen, laut einer Untersuchung der TU Berlin aus dem Jahr 2015, von den privaten Haushalten. Der Rest kommt aus Krankenhäusern, der Chemie- oder Pharmaindustrie oder von Apotheken und Arztpraxen. Vor allem Kliniken werden dafür verantwortlich gemacht, dass zu nehmend auch gefährliche Antibiotika-resistente Keime ins Abwasser gelangen.
Wenn wir über die besorgniserregende Verschmutzung reden, die zu einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt im Neckar geführt hat ( siehe Ergebnisse der "Rettet den Neckar"- Aktion vom Sommer 2018), müssen wir also auch darüber nachdenken, wie wir die unsachgemäße Entsorgung von Arzneimitteln reduzieren:
Mittelfristig muss das geschehen durch eine Änderung des Verbraucherverhaltens; kurzfristig sollten wir über die Einrichtung von Medikamenten- Sammelstellen nachdenken. Eine derart radikale Verhaltensveränderung ( von 85 % ) ist nur über einen längeren Zeitraum möglich und bedarf der öffentlichen Unterstützung. Die Landkreisverwaltung allerdings sieht das nicht so.

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