Unsere Mannschaft für den Sulzer Gemeinderat

Wir bauen  Sulzer Zukunft !

Einwurf

Wo bleibt eigentlich die Inflation? Was wurde doch gezetert und gebarmt, als die Europäische Zentralbank Zinsen senkte und Anleihen kaufte, um die Konjunktur anzukurbeln. Nach dem Lehrbuch mussten sich aber so Aufschwung und damit Inflation einstellen, und damit auch wieder die Erhöhung der Zinsen.

Jetzt aber werden die Prognosen schon wieder reihenweise nach unten korrigiert, die Zinserhöhung ist in weite Ferne gerückt, und die Frage, wohin mit dem angehäuften Privatkapital, stellt sich verschärft. Da gibt es nämlich einen bevorzugten Sektor, in welchem die Inflation tatsächlich eingetreten ist. Das sind leider nicht die Aktienmärkte. Wenn das überschüssige Privatkapital weiterhin ins "Betongold" als einzig lohnende Anlage geht, wird Wohnen nicht nur in den Städten bald auch für die Mittelschicht ein Problem.

Andererseits brauchen wir nichts dringender als Wohnungen, nur eben nicht als Renditeobjekte, sondern zu vertretbaren Mietpreisen. Stattdessen werden die falschen Wohnungen gebaut, an den falschen Orten.

Reichtum war schon immer volkswirtschaftlich sinnlos, das Nicht- Ausgeben von angehäuftem Geld schädlich. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch Otto Normalverbraucher Negativ- Zinsen auf seinen Notgroschen zahlt. Weil dem drohenden Abschwung entgegengesteuert werden muss, sollen nicht nur der Staat, sondern auch Firmen und Privatleute ihr Geld nicht horten, sondern investieren.

Da aber liegt der Hase im Pfeffer. Zwar könnten einige von uns mehr Geld ausgeben, aber doch nicht als Investition; dazu reicht es denn doch nicht wirklich. Sie könnten leicht mehr konsumieren, aber das ist weder nachhaltig noch abendländisch vermittelbar. Schließlich haben wir "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not" mit der Muttermilch aufgesogen.

Die Herausforderung lautet also, auch kleinere (private) Geldvermögen ( für die es auf absehbare Zeit nicht mehr genug attraktive Zinsen gibt) in Investitionen zu verwandeln. Das geht am besten mit Genossenschaften. Denn die verwandeln auch kleinste Beiträge in Investitionen, wenn sie es schaffen, sehr viele davon anvertraut zu erhalten.

Wenn es in Sulz eine Baugenossenschaft für altersgerechtes Wohnen gäbe, dann könnten 1. darüberhinaus Besitzer von Grundstücken leichter zum Verkauf angeregt werden, weil sie mit einer Beteiligung an der Genossenschaft ja nur eine Immobilie gegen eine andere eintauschen würden. Und wenn es altengerechte Wohnungen gäbe, könnten wir sie 2. Senioren, denen ihr Haus zu groß geworden ist, zum Bezug anbieten. Und genau das wollen wir doch, oder?

Klaus Schätzle

Chronik des Ortsvereins


Klaus Schätzle (li.) und Werner Kläger

Die schwierigen Jahre

Klaus Schätzle veröffentlicht den ersten Band seiner Sulzer SPD-Chronik

SULZ (hz). Ein weiteres Stück Sulzer Stadtgeschichtsschreibung ist jetzt zu haben. Der Sulzer SPD-Chef Klaus Schätzle hat die Geschichte der ersten 30 Jahre seiner Partei in Sulz zusammengefasst. Werner Kläger präsentierte das Werk am Donnerstagabend der geneigten Öffentlichkeit.

Ein kleiner Kreis Sulzer Sozialdemokraten und Geschichtsinteressierter versammelte sich am Donnerstagabend in der Buchhandlung Jacob, denn Werner Kläger, der langjährige Sulzer Hauptamtsleiter, stellte einen weiteren "kleinen Meilenstein zur Geschichte der Stadt Sulz" vor. Klaus Schätzle, seines Zeichens Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Sulz-Dornhan, Sulzer Stadtrat und Lehrer am Albeck-Gymnasium, hat sich durch 40 Jahre Zeitungsbände, durch Archive von Sigmaringen bis Stuttgart und durch die alten Gemeinderatsprotokolle gekämpft und daraus eine Schätzle-typisch launige Chronik der Sulzer-SPD-Geschichte von ihrer Gründung 1902 bis ins Jahr 1933 zusammengeschrieben.

Als "sehr gelungen" bezeichnete Kläger das Werk, das den Titel trägt "Es wird dies aber eine vergebliche Mühe sein". Diese Zeile entstammt einem Kommentar der "Sulzer Chronik" vom 30. Mai 1893 zur aufkommenden Sozialdemokratie: "Es wird dies aber eine vergebliche Mühe sein, da unser Landvolk für die Bestrebungen dieser Partei durchaus nicht zu gewinnen ist". Dies solle man aber nur auf die damalige Zeit beziehen, betonte Schätzle auf die jüngere SPD-Geschichte angesprochen. Schätzle sei halt "ironisch bis flapsig", merkte Kläger zu dem "lesenswerten Sachbuch" an. "Neutral und sachlich" sollte so etwas sein, aber es liege in der Natur der Sache und sei durchaus legitim, dass Schätzle das Thema durch die "rosa bis rote Brille" sehe.

Das Buch handelt von den schwierigen Jahren für die Sozialdemokraten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Presse in Gestalt der "Sulzer Chronik", auch Bürgermeister Karl Wilhelm Malmsheimer und der Gemeinderat waren der SPD nicht gerade wohl gesonnen. Eine Fülle längst vergessener Namen der Sulzer Kommunalpolitik ist im Schätzle-Buch zu finden, ebenso wie allerhand zeitgeschichtliche Anekdoten und gemeinschaftskundliche Anmerkungen. Im Anhang hat Schätzle Wahlergebnisse und Sitzverteilungen des Sulzer Gemeinderats tabellarisch zusammengestellt. Seit 20 Jahren sind Schätzle und sein Mitstreiter Hans-Heinrich Holtzhausen damit beschäftigt, ausgehend von einem einzigen Schuhkarton mit alten Unterlagen, die Sulzer SPD-Geschichte zu rekonstruieren. "Geschichte wird von oben geschrieben", sagte Schätzle am Donnerstag, "sie muss aber von unten ergänzt werden." So ist für die Zukunft zumindest noch ein zweiter Band zu erwarten, der sich mit der Sulzer SPD nach 1946 beschäftigen soll.

Erschienen in der SÜDWEST PRESSE am 13.12.2003