Chronik des Ortsvereins


Klaus Schätzle (li.) und Werner Kläger

Die schwierigen Jahre

Klaus Schätzle veröffentlicht den ersten Band seiner Sulzer SPD-Chronik

SULZ (hz). Ein weiteres Stück Sulzer Stadtgeschichtsschreibung ist jetzt zu haben. Der Sulzer SPD-Chef Klaus Schätzle hat die Geschichte der ersten 30 Jahre seiner Partei in Sulz zusammengefasst. Werner Kläger präsentierte das Werk am Donnerstagabend der geneigten Öffentlichkeit.

Ein kleiner Kreis Sulzer Sozialdemokraten und Geschichtsinteressierter versammelte sich am Donnerstagabend in der Buchhandlung Jacob, denn Werner Kläger, der langjährige Sulzer Hauptamtsleiter, stellte einen weiteren "kleinen Meilenstein zur Geschichte der Stadt Sulz" vor. Klaus Schätzle, seines Zeichens Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Sulz-Dornhan, Sulzer Stadtrat und Lehrer am Albeck-Gymnasium, hat sich durch 40 Jahre Zeitungsbände, durch Archive von Sigmaringen bis Stuttgart und durch die alten Gemeinderatsprotokolle gekämpft und daraus eine Schätzle-typisch launige Chronik der Sulzer-SPD-Geschichte von ihrer Gründung 1902 bis ins Jahr 1933 zusammengeschrieben.

Als "sehr gelungen" bezeichnete Kläger das Werk, das den Titel trägt "Es wird dies aber eine vergebliche Mühe sein". Diese Zeile entstammt einem Kommentar der "Sulzer Chronik" vom 30. Mai 1893 zur aufkommenden Sozialdemokratie: "Es wird dies aber eine vergebliche Mühe sein, da unser Landvolk für die Bestrebungen dieser Partei durchaus nicht zu gewinnen ist". Dies solle man aber nur auf die damalige Zeit beziehen, betonte Schätzle auf die jüngere SPD-Geschichte angesprochen. Schätzle sei halt "ironisch bis flapsig", merkte Kläger zu dem "lesenswerten Sachbuch" an. "Neutral und sachlich" sollte so etwas sein, aber es liege in der Natur der Sache und sei durchaus legitim, dass Schätzle das Thema durch die "rosa bis rote Brille" sehe.

Das Buch handelt von den schwierigen Jahren für die Sozialdemokraten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Presse in Gestalt der "Sulzer Chronik", auch Bürgermeister Karl Wilhelm Malmsheimer und der Gemeinderat waren der SPD nicht gerade wohl gesonnen. Eine Fülle längst vergessener Namen der Sulzer Kommunalpolitik ist im Schätzle-Buch zu finden, ebenso wie allerhand zeitgeschichtliche Anekdoten und gemeinschaftskundliche Anmerkungen. Im Anhang hat Schätzle Wahlergebnisse und Sitzverteilungen des Sulzer Gemeinderats tabellarisch zusammengestellt. Seit 20 Jahren sind Schätzle und sein Mitstreiter Hans-Heinrich Holtzhausen damit beschäftigt, ausgehend von einem einzigen Schuhkarton mit alten Unterlagen, die Sulzer SPD-Geschichte zu rekonstruieren. "Geschichte wird von oben geschrieben", sagte Schätzle am Donnerstag, "sie muss aber von unten ergänzt werden." So ist für die Zukunft zumindest noch ein zweiter Band zu erwarten, der sich mit der Sulzer SPD nach 1946 beschäftigen soll.

Erschienen in der SÜDWEST PRESSE am 13.12.2003

 

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